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Anzeiger-Hochhaus

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Am Rande der Altstadt, in Blickweite des Steintorplatzes, ließ der hannoversche Verleger, August Madsack, 1927/28 das erste Hochhaus der Stadt errichten. Seitdem prägt das Anzeiger-Hochhaus die Silhouette Hannovers und gilt vielen als Wahrzeichen der Stadt. Ein Blick in die Geschichte des Hauses in Fotos und Videos.







Text: Conrad von Meding
Fotos und Videos: Michael Thomas, Alexander Körner, Tim Schaarschmidt, Rainer Dröse, Wilhelm Hauschild, Rainer Surrey, Heike Schöne (Leserfoto), Hoffmann (Leserfoto), Madsack Mediengruppe, HAZ-Archiv
Gestaltung: Julia Polley

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Verleger August Madsack hatte 1893 den „Hannoverschen Anzeiger“ gegründet und innerhalb von knapp 35 Jahren zur auflagenstärksten Zeitung Hannovers entwickelt. Nun wollte er auch im Stadtbild ein starkes Zeichen setzen. Auf der anderen Seite des Atlantiks hatte sich die Chicago Tribune gerade ihren Zeitungssitz als Hochhaus bauen lassen. Am Architektenwettbewerb für den Tribune Tower hatten mehr als 100 namhafte Büros aus aller Welt teilgenommen. Madsack wählte 1924 für den Vorentwurf seines neuen Zeitungshauses einen der besten zeitgenössischen Architekten aus Hannover, Emil Lorenz, der bis 1925 die Grundlagen für das neue Hochhaus entwarf. Ein Stahlskelettbau sollte es sein, also die Form, die auch amerikanische Hochhäuser prägte – doch die moderne Konstruktionsform im Inneren des Bauwerks sollte sich mit einem traditionsbewussten und zugleich neuartigen Äußeren der Fassade paaren.

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Für die Gestaltkraft der Architektur verpflichtete der Verleger daher den Hamburger Architekten Fritz Höger, der 1924 mit seinem Backsteinentwurf für das imposante Hamburger Chilehaus zum Architekturstar geworden war. Noch heute übt Hannovers Anzeiger-Hochhaus dank der typischen Höger-Architektur eine starke Anziehungskraft auf Betrachter aus: Der hart gebrannte dunkle Ziegelstein, der sogenannte Bockhorner Klinker, diente nicht nur als Baustoff, sondern ist auch Dekorationselement.

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Als Tageszeitungsverleger war Au­gust Madsack schnelles Arbeiten ge­wohnt: Wer von seinen Redakteu­ren erwartet, jeden Tag ein aktuelles Blatt zu fabrizieren, der fackelt auch mit Bauunternehmern nicht lange. Anderthalb Jahre Bauzeit war das kalkulierte Maximum – heute fast unvorstellbar bei einem anspruchsvollen Neubau. Im Herbst 1926 erhielt Madsack die Baufreigabe der Stadtverwaltung, im April 1928 wurde Einweihung gefeiert.

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Ein dampfbetriebener Löffelbagger hob an der Goseriede in sechs Wochen 12 000 Kubik­meter Boden aus. Im November 1926 hat­ten die Arbeiter mit dem Gießen der Fun­damente begonnen, im Mai 1927 wurde die letzte Geschossdecke eingezogen, für den Rohbau der Kuppel blieben nur 14 Tage: Im Juli 1927 hatte die hannoversche Baufirma Mehmel das Gebäude von au­ßen fertiggestellt. Vor allem der Kuppel­bau auf dem Hochhausdach war eine Inge­nieurs-Meisterleistung. Besonders leicht musste er sein, um das tragende Gebäu­de nicht zu sehr zu belasten. Facharbei­ter webten deshalb ein filigranes Stahl-skelett in Bogenform über das Hochhaus. Von oben wurde es mit Beton bespritzt, von unten mit Kalkmörtel, dazwischen be­fand sich eine Schalung aus Torf-Dämm­platten. Die Kupferplatten wurden dann mit Hanfdübeln von außen befestigt.

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...ließ Höger im An­zeiger-Hochhaus verbauen, viele davon in eigens gebrannten Sonderformaten.

Übereck gestellte Pfeilervorlagen, die gotischen Strebepfeilern ähneln, betonen die senkrechten Elemente der Fassade. 14 nebeneinanderliegende Sprossenfens­ter ordnen das Gebäude über dem offenen Portal im Erdgeschoss, nach oben verjüngt sich das Gebäude zu einem Gastronomie­geschoss mit Terrassen, bevor es an der Spitze von der Kuppel bekrönt wird. Das Anzeiger-Hochhaus mit seiner starken, ver­tikalen Fassadengliederung und der Lust an Oberflächenstruktur gilt heute neben dem Chilehaus als eines der beiden Wahr­zeichen des Backstein-Expressionismus, des Gegenentwurfs zum zeitgleich aufkom­menden Bauhaus-Stil mit seinen weißen, schlichten Formen.

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Was für ein Spektakel die Eröffnung des Hochhauses war, zeigte sich 1928. Han­nover war im Hochhaus-Fieber, die Fahr­ten hinauf zu Terrassen und Kuppel waren wochenlang ausgebucht. Architekt Höger hatte eigens zwei Express-Aufzüge für den Besucherverkehr eingerichtet, die in nur 23 Sekunden die vielstöckige Distanz bewältigten.
(Später kletterte Arnim Dahl auf das Dach des Anzeiger-Hochhauses)

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Auch das Planetarium war ständig ausgebucht, ein riesiger Zeiss-Projektor zeichnete allabendlich das Sternenbild über Hannovers Nachthimmel im Zeitraffer in die Kuppel. Vortragsabende kamen hinzu: August Madsack nutzte sein Presse-Hochhaus auch zur Volksbildung. Und zum Vergnügen: Im Restaurant unter der Kuppel gab es bis 1966 Kaffeenachmittage und Tanzabende, bei gutem Wetter waren die beiden Terrassen begehrte Plätze mit Aussicht über das alte Hannover. „Ich sitze nicht im Zeppelin (…), ich sehe auch die Wolken ziehn, und unter mir die Welt – ich sitze nämlich im Café Hochhaus“, hatte der Hochhaus-Gastronom schon 1928 gedichtet.

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Das ist lange vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Medienbetrieb weiter, aus dem „Hannoverschen Anzeiger“ wurde die Hannoversche Allgemeine Zeitung. 1974 zogen Redaktion, Verlag und die Rotationsdruckerei ins neu gebaute Pressehaus nach Kirchrode. Das Anzeiger-Hochhaus aber blieb mehr als nur ein Wahrzeichen. In den 1970ern wurde die Neue Presse in den Verlag integriert.

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Nach 90 Jahren lässt die Madsack Medien­gruppe die 25 Meter breite Kuppel kom­plett sanieren. Darunter soll ein neuer Multifunktionsraum entstehen, in dem Kinoabende, aber auch Vorträge und Dis­kussionen möglich sind – so, wie es ur­sprünglich auch mit dem Planetarium ge­dacht war.

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2016 aber waren bei Routinekontrol­len Schäden an der Befestigung der Kup­ferplatten aufgefallen. Die Hanfdübel, mit denen die Platten in der Betonschale ver­ankert waren, lösten sich. Statt einer Teil­reparatur entschloss sich die Madsack Mediengruppe zur Kompletterneuerung der 90 Jahre alten Konstruktion.

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2017 zog das Kino um: Die Hochhaus-Lichtspiele, eigentlich höchstes Kino Deutschlands, bieten ihr Programm seitdem proviso­risch in der umgebauten Schalterhalle an, als Lounge-Kino stilvoll mit Designermö­beln eingerichtet. Der gesamte Raum un­ter der Kuppel ist seitdem entkernt wor­den.

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Seit Anfang 2018 ist der Umbau auch von außen sichtbar. Mitte März haben die Gerüstspezialisten Schmiedt und Rux in einer spektakulären Nachtaktion ein ton­nenschweres Gerüstdach über die Kuppel geschoben, das dank beheizbarer Abde­ckung den Neuaufbau der Kuppel bei na­hezu jedem Wetter ermöglicht. Bis Ende 2018 wird zunächst das alte Kupfer abge­nommen, dann die äußere Betonhaut auf Beschädigungen überprüft und schließ­lich eine neue Kupferlage aufgebracht.

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Voraussicht­lich Anfang 2020 soll die Erneuerung der Kuppel vollständig abgeschlossen und dann auch der Raum unter der Kuppel wieder nutzbar sein. An den Detailplanun­gen wird derzeit noch gefeilt.

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In den 1990er-Jahren wurde Madsack unter dem damaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Friedhelm Haak, zunehmend auch überregional aktiv und baute das Engagement in den elektronischen Medien aus. Konsequent ließ Haak das Areal rund um das Anzeiger-Hochhaus zum Medien­zentrum erweitern: Nach Entwürfen des italienischen Designers Alessandro Men­dini entstand hofseitig ein grün schim­mernder Eckbau, der das Medienzentrum zwischen Goseriede, Langer Laube und Stiftstraße arrondiert.

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Heute arbeiten Fernseh- und Radionanbieter sowie Internetfirmen in dem Medienzentrum im Zentrum Hannovers. Das Team des „Reisereporter“ konzipiert an dem Standort die wöchentlichen Reisebeilagen für Tageszeitungen mit einer Auflage von rund 1,5 Millionen Stück. Zur Mediengruppe Madsack gehören Start-ups wie Heinekingmedia oder Radio.de, Großdienstleister wie die Citipost oder Fernsehspezialisten wie TVN. Doch das Herz der Mediengruppe schlägt seit 90 Jahren im Anzeiger-Hochhaus als weithin sichtbarem Symbol für den Anspruch eines Verlegers, in einer Stadt für Pressefreiheit und offene Kommunikation zu sorgen.

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Kapitel 1 Anzeiger-Hochhaus

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Kapitel 2 Geschichte

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Kapitel 3 Der Kuppelumbau

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Kapitel 4 Heute

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