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Linie 5

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Von Traditionsbetrieben, revolutionärer Technik, großen Gefühlen – und außergewöhnlichen Menschen. Entlang der Strecke der Stadtbahnlinie 5 zeigt sich die ganze Vielfalt Hannovers. Sie führt von Stöcken über die Südstadt bis nach Anderten. Wir sind mitgefahren und erzählen an 29 Stationen 29 bemerkenswerte Geschichten. Zwischendurch geht es im Zeitraffer von Station zu Station. 
(Hinweis für Handynutzer: Drehen Sie das Smartphone auf die Seite, um die Geschichten in vollem Format zu genießen.)


Eine Reportage der HAZ-Volontäre Julia Polley, Nils Oehlschläger, Tomma Petersen, Andrea Brack, Carina Bahl und Mario Moers.
Fotos: Philipp von Ditfurth, Tim Schaarschmidt, Alexander Körner und Clemens Heidrich

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Seit 1906 gibt es die Stadtbahnlinie 5 in Hannover – einst fuhr sie sogar bis nach Sehnde. Seit 2002 fahren die Bahnen täglich von Stöcken nach Anderten und zurück. Insgesamt wird jede der 29 Haltestellen entlang der Linie 208-mal pro Tag angefahren. 50.000 Fahrgäste, so die Schätzung der Üstra, sind täglich mit den Stadtbahnen der Linie 5 unterwegs. Am Tag sind zehn Bahnen auf der Strecke im Einsatz – unter anderem auch noch die grünen Bahnen des Typs TW 6000, die seit 1974 das Stadtbild Hannovers prägen.

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Bei Manfred „Manne“ Schütt fängt der Tag an. Oder er hört hier auf - je nachdem, in welche Richtung Mannes Kundschaft will: Zum VW-Werk oder nach Hause. An der Trinkhalle an der Endhaltestelle der Linie 5 gibt's täglich den ersten Kaffee und das obligatorische Feierabendbier. Zu Schichtende reicht Manne die  Halbliterflaschen Herri, Zigaretten und auch Schnaps im Akkord über den Tresen.
Manne kennt "seine Pappenheimer" und jeden Stein im Viertel. Jedes Gerücht hört er als Erster, hat zu allem eine Meinung – er ist der Kerl hinter dem grünen Fenster, der einem die Welt erklärt. Dabei ist der Motorradfan herzlich, aber streng: Wer dummes Zeug macht, muss gehen. „Ich bin ehrlich und habe Spaß hier“, sagt der 59-Jährige

Seit 20 Jahren ackert Manne täglich bis zu 17 Stunden in seinem Mikrokosmos. „Man vergisst dabei leider sein persönliches Umfeld.“ Ans Aufhören denkt der 59-Jährige dennoch nicht. Dafür lässt er es ruhiger angehen. „Jetzt mache ich nur noch die Frühschicht, von 4 Uhr früh bis halb sechs“ – abends versteht sich.

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38 Jahre ist es her, dass die Bildhauerin Ulrike Enders dem mitunter tristen Stöckener Markt mit ihrem Wasserkraft-Brunnen ein Symbol für den Aufbruch verpasste. „Wie Lava, die von unten kommt, sollte der Brunnen das Pflaster aufbrechen“, sagt die heute 73-Jährige. Enttäuscht schaut sie jetzt auf den Bauzaun, mit dem die Stadt den Brunnen wegen baulicher Mängel abschirmt.
Anders als ihre bekanntesten Werke in Hannover wie die "Leute im Regen" an der Georgstraße oder der „Lindener Butjer“ vor der  Volksbank in Linden-Nord, war ihr Brunnen in Stöcken immer umstritten. Für Enders ist das ein Kompliment. Sie erinnert sich an den Kommentar einer entsetzten Passantin. „Es sieht ja aus, als sei hier etwas passiert." Das sei auch die Idee gewesen.
Was mit dem Brunnen passieren soll, berät aktuell die Stadtverwaltung. Von der Idee, das Kunstwerk durch computergesteuerte Mini-Springbrunnen zu ersetzen, hält Künstlerin Enders nichts. Mit dem Neubau des Freizeitheims am Markt habe gerade eine neue Phase des Aufbruchs am Markt begonnen. „Man könnte den Brunnen in den Prozess einbeziehen“, sagt die Künstlerin.

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... der Bewohner Stöckens haben einen Migrationshintergrund. 

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Windräder, Spielzeug und Lichterketten liegen auf den Gräbern: Ungewöhnlich bunt kommt dieser Teil des Stöckener Stadtfriedhofes daher. Seit 2005 gibt es auf dem 55 Hektar großen Gelände ein Gräberfeld und eine Gedenkstätte für Kinder. „Wir wollten, dass Eltern eine gemeinsame Anlaufstelle haben“, sagt Cordula Wächtler von der Stadt.
17.000 Menschen sind seit 1891 in Stöcken beigesetzt worden. Der Kinderfriedhof gehört zu den modernsten Bereichen. Die altertümlichen Grabstätten mit Mausoleen stehen für die Gründungszeit, nicht weniger die neugotische Kapelle am Eingang, die jeder kennt, der mit der Linie 5 unterwegs ist.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Parkfriedhof eingerichtet - mit einem 2,5 Hektar großem Teich und Tausenden Rhododendron-Blüten. Der Stadtfriedhof gilt heute als Ausflugsziel. 
Seit 1989 wird der Friedhof auch interkultureller: Muslime können dort nach ihren Traditionen Angehörige beisetzen – in Richtung Mekka, nur in Leinentüchern. „Wir haben mit der Schura einen Kompromiss gefunden, wie deutsches Bestattungsrecht und muslimische Traditionen zusammen funktionieren“, sagt Wächtler. 

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An dem typischen Geräusch, wenn das Wasser in den Überlauf schwappt, kann Schwimmmeisterin Dorothea Pielke ihr RSV-Bad Leinhausen von anderen Bädern unterscheiden. „Dieses Rauschen ist charakteristisch für das Freibad“, sagt die 53-Jährige, die in dem etwas versteckt am Bahnhof Leinhausen gelegenen Bad „aufgewachsen“ ist.
Hier hat sie schwimmen gelernt und Wasserball spielen. „1989 habe ich als Nationalspielerin bei der Europameisterschaft mitgespielt, aber das ist lange her“, sagt die aktuelle Leiterin der Schwimmabteilung. Ihre Schwester Christiane, ebenfalls ein Eigengewächs des RSV, erschwamm bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 sogar eine Bronzemedaille.
„Das Freibad hier war für mich immer auch etwas Zuhause“, sagt Pielke. Zwischen dem alten Schlot des Herrenhäuser-Kraftwerks und dem Ausbesserungswerk der Bahn in Hannovers sechst-kleinsten Stadtteil (3213 Bewohner) gelegen, ist das RSV-Bad eine echte Oase in Gehweite der Linie 5 – beruhigendes Rauschen inklusive.


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Seit 150 Jahren ist die Privatbrauerei Herrenhausen am Herrenhäuser Markt ansässig. Seither werden hier jährlich 14 Millionen Liter „Herri" gebraut und in 600 Gaststätten und Restaurants ausgeschenkt. Ein Blick in die Brauerei - mit beeindruckenden Zahlen und Fakten.

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... sind seit 2011 nach Herrenhausen gezogen. Knapp 500 von ihnen sind jünger als 29 Jahre.

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Antonio Scarpato steht entspannt am schmalen Schotterweg, die Hände an den Hüften, der Blick auf den prunkvollen Großen Garten gerichtet. Die Arbeit ist geschafft.
Zum Auftakt des Feuerwerkwettbewerbs 2018 hat der Italiener mit seinem Team vier Tonnen Raketen zwischen den perfekt zugeschnittenen Hecken aufgebaut. „Das ist der schönste Platz, um ein Feuerwerk zu machen“, sagt der Pyrotechniker. Zwei Tage hat der Aufbau gebraucht, abends werden die Raketen bis zu 200 Meter in den Nachthimmel abheben. „Das wird ein Fest der Farben. Wir sind Maler, der Himmel ist die Leinwand“, sagt Scarpato, der Pyrotechniker in sechster Generation ist. 
Gartenmeister Thomas Amelung wirft an diesem Abend trotzdem einen besonderen Blick auf die Aufbauten von Scarpato. „Ein Buchsbaum brannte schon mal bei den Feuerwerkswettbewerben“, sagt Amelung. Müll sei aber bei einer Großveranstaltung mit 11.000 Besucher stets das größere Problem. Sein Versprechen: „Am Morgen danach sieht alles aus wie neu.“  

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Grillgeruch liegt in der Luft. Großfamilien mit Kindern treffen sich, Studenten kommen zusammen und Jugendliche relaxen in der Sonne - auf einer Decke oder in einer mitgebrachten Hängematte. Die einen kicken beim Biertrinken gegen einen Fußball, andere haben sich eine Slackline zwischen zwei Bäume gespannt. Vor allem junge Leute finden sich zuhauf im Georgengarten. Kein Wunder: Die Nordstadt ist besonders beliebt bei Jüngeren. Mindestens jeder dritte Bewohner ist noch keine 30 Jahre alt.
Auf dem Schotterplatz duellieren sich aber auch älter Boule-Spieler. Jogger und Fahrradfahrer durchqueren den Garten auf der knapp zwei Kilometer langen Herrenhäuser Allee. Immer wieder bleiben Fußgänger stehen und machen ein Foto von der prachtvollen Lindenallee. Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen in der Stadt wird der Georgengarten so zum Treffpunkt für viele Hannoveraner. 


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Wer aus dem Fenster im ersten Stock schaut, der sieht die Stadtbahnen der Linie 5 vorbeiziehen. Aus den anderen Fenstern geht der Blick in den fast verwunschenen Garten. Mit einem sterilen Kreißsaal hat der Geburtsraum absolut nichts zu tun: Warme Farben und liebevolle Details bestimmen die Einrichtung im Geburtshaus Herrenhausen.
Mehr als 50 Kinder haben dort seit  August 2017 das Licht der Welt erblickt – ohne Ärzte, nur angeleitet von erfahrenen Hebammen. „Es geht bei uns nicht um Geburtsmedizin, sondern um Geburtshilfe“, sagt Gründungshebamme Evelyn Kampfhofer. Mehr als 85 Prozent aller Geburten verlaufen ohne Komplikationen. Frauen, die normal entbinden können, will das Geburtshaus eine Alternative zum Kreißsaal bieten. „In Kliniken fühlen sich Frauen oft allein gelassen. Niemand nimmt sich Zeit, ihre Fragen zu beantworten“, weiß Kampfhofer. Das merke man nach der Geburt: Wenn den Müttern das Vertrauen ins eigene Bauchgefühl fehle.
Die Nachfrage ist groß: Inzwischen gibt es Schwangere, die extra aus Hildesheim, Alfeld oder Hameln zur Geburt an die Nienburger Straße 6 kommen. Das Team begleitet die Frauen – fast täglich treffen sich dort Vorbereitungs-, Rückbildungs- oder Beikostkurse in der Altbau-Villa.

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Sie ist die zweitgrößte Universität in Niedersachsen: 28.742 Studenten sind an der Leibniz Uni immatrikuliert – nur in Göttingen haben sich mehr Menschen eingeschrieben (30.300). Männer sind in Hannover mit 60 Prozent in der Überzahl, rund 6 Prozent der Studenten haben Kinder. Der jüngste Studierende ist 17 Jahre alt, der Älteste konnte bereits seinen 80. Geburtstag feiern.
Die Vorlesungen werden von 335 Professoren gehalten. Damit liegt das Verhältnis bei 85 Studierenden pro Lehrstuhlinhaber. Diese verteilen sich auf 180 Studiengänge (inklusive Teilstudiengänge).
Für Vorlesungen stehen laut Leibniz-Universität 48 Hörsäle zur Verfügung. Der größte ist mit 630 Plätzen das Auditorium Maximum. Etwa 350 Studierende verbringen das Sommersemester 2018 im Ausland, im Gegenzug sind etwa 200 Gaststudenten für ein oder zwei Semester aus dem Ausland in Hannover. Auch sie überweisen einen Semesterbeitrag von 425,06 Euro.

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Bier, Rauch und ein Ledersofa als Basis – und der Mief einer Studentenbude als dezente Kopfnote. In Hannovers bekanntestem Studentencafé, der Hanomacke auf dem Conti-Campus, weht seit 32 Jahren der Duft von studentischer Freiheit. Für den 21-jährigen angehenden Wirtschaftsingenieur Tim Wilhelmi ist die selbstverwaltete Kneipe mehr als ein Treffpunkt zwischen den Vorlesungen. „Die Macke und die Leute dort sind auch ein bisschen Familie“, sagt der Vorsitzende des Betreibervereins. Dass der Laden seit drei Jahrzehnten jeder Bäcker- und Barkonkurrenz in der Nachbarschaft trotzt, liegt auch an der besonderen Organisation: „Jeder kann mithelfen. Wer eine Thekenschicht übernehmen will, trägt sich einfach auf der aushängenden Liste ein“, erklärt Wilhelmi. 
Vor zehn Jahren wollten Raumplaner die Hanomacke in Lernräume umwandeln. Sie scheiterten am Protest der „Macke-Unterstützer“. Denen ist ihr Refugium eine Herzensangelegenheit. Ein Ort zum Durchatmen - trotz Miefs. Die Lüftungsanlage ist das nächste Großprojekt.

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Faruk Mermertas kennt fast jeden an der Langen Laube am Steintor. Der 30-Jährige ist hier aufgewachsen. Seine Familie betreibt seit mehr als 20 Jahren den Saray Market, einen Supermarkt für orientalische Lebensmittel. Zwischen den Regalen mit Kichererbsen, Rosenblüten oder Kurkuma bleibt er immer wieder stehen. „Merhaba! Die Äpfel sind ganz frisch“, sagt Mermertas zu einem Kunden.
Er führt das Geschäft seines Vaters fort - auf seine Art. Der Wirtschaftsingenieur hat den Saray Market zum Online-Supermarkt umgebaut und vertreibt die Lebensmittel nun deutschlandweit. 
Obwohl nach dem Studium Angebote von Unternehmen winkten, wollte der 30-Jährige am Steintor bleiben. „Der Stadtteil ist lebendig.“ Zusammen mit seinen Geschwistern hat er eine Facebook-Seite und einen Blog eingerichtet. Hier werden Rezepte geteilt oder muslimische Gebräuche erklärt.
Trotz 2.0-Offensive ist es das Steintor, das Multikulti-Zentrum Hannovers, das ihn inspiriert. „Der Kontakt zu den Kunden ist das Schönste an meiner Arbeit“, sagt Mermertas.

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Am 26. September 1975 war es soweit: Die erste Stadtbahn erreichte die unterirdische Station Kröpcke. Mitten in der Innenstadt war zuvor über Jahre eine Großbaustelle entstanden: 25 Meter tief musste das Erdreich ausgehoben werden, rund 50.000 Lastwagen Erde verließen Hannovers Mitte.
Heute ist die Station der Dreh- und Angelpunkt im Nahverkehr: 173.400 Fahrgäste steigen hier täglich ein, aus oder um. Zum Vergleich: Im kompletten Stadtteil Mitte, in dem die Haltestelle liegt, wohnen nur 10.921 Menschen.
Die Station unterteilt sich in drei Ebenen und sechs Bahnsteige mit einer Gesamtlänge von 618 Metern, die von zwölf Stadtbahnlinien insgesamt 2200-Mal täglich angefahren werden. 42 Rolltreppen, darunter die vier längsten Hannovers mit 33 Metern, stehen zur Verfügung, um 239 Meter zu überwinden.
1999 bedeckte der italienische Designer Massimo Iosa Ghini 12.000 Quadratmeter Wand in der Station mit grünen und gelben Glassteinchen.


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80 Meter über dem Erdboden legt sich Klaus-Dieter Böning das Sicherheitsgeschirr um. Dann hebt der Mitarbeiter des Reinigungsdienstes Perfekta seinen Eimer, Lappen und Fensterwischer in den Metallkorb und klinkt den Karabinerhaken ein.
Sicherheit geht vor, auch wenn die schwindelerregende Höhe dem 54-Jährigen nichts mehr ausmacht. Vielmehr schätzt er die Abgeschiedenheit über den Dächern der Stadt. „Es ist kein Mensch da, du machst einfach deine Arbeit“, sagt er. „Das ist ein Stück Freiheit.“ 
Acht Stunden lang reinigt sein Team täglich die Scheiben der gläsernen Nord/LB-Zentrale an der Haltestelle Aegidientorplatz. Die Architektur des Gebäudes erfordert eine besondere Pflege: 18 Stockwerke ragt der Bau in den Himmel, in dessen Fassade 14.000 Glasscheiben verbaut sind. Da bleibt den Fensterputzern kaum Zeit zum Durchschnaufen. „Wenn so ein Gebäude instandgehalten werden soll, muss das regelmäßig gemacht werden“, sagt er.
Nur zu Beginn des Arbeitstages muss auch Böning kurz innehalten. Dann hängt er morgens um 5 Uhr an der gläsernen Außenwand und sieht die Sonne aufgehen. „Das ist immer wieder schön“, sagt er. „Da musst du hingucken. Das geht nicht anders."

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Zum Feierabend ist es täglich das gleiche Verkehrselend: Auf der Marienstraße stauen sich die Autos wie kaum anderswo in der Stadt. Das war aber nicht immer so: Der Weg nach Misburg und Kirchrode bot vor 100 Jahren Kutschen, der elektrischen Straßenbahn und Flaneuren ausreichend Platz, um staufrei zum Ziel zu gelangen.
1872 begann der öffentliche Nahverkehr zwischen dem Aegidientor und dem damals noch Marienstadt genannten Teil der heutigen Südstadt mit einer Pferdebahn. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straße als sogenannte Radialstraße zur neuralgischen Verkehrsader, die den Cityring mit dem Messeschnellweg am Pferdeturm verbindet. Als in der Nachkriegszeit immer mehr Autos die Straße verstopften, wurde die Straßenbahn am Ende der Achtzigerjahre unter die Erde verlegt. Seitdem können bis zu 74 Prozent mehr Fahrgäste die Strecke fünf Minuten schneller zurücklegen.

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... leben in der Südstadt, die damit der zweitgrößte Stadtteil Hannovers ist.


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David Mastbaum dreht den Schlüssel zweimal im Schloss. Dann öffnet der Geschäftsführer der Stadtpark-Sauna die Tür und tritt aus dem Tageslicht in die Dunkelheit. Drinnen sind die Wände mit Ruß überzogen, die Fenster sind vergilbt und helle Flecken an der Wand zeigen, wo einmal Bilder gehangen haben. Es riecht nach verbranntem Holz – als wäre das Feuer, das Hannovers älteste Sauna zerstört hat, gestern erst gelegt worden. Eigentlich sollte 2017 ein gutes Jahr für die Freunde der Stadtpark-Sauna werden, erzählt Mastbaum. Ein Neubau war geplant, modern gestaltet und mit Platz für kulturelle Veranstaltungen. Mit der Stadt sei man sich bereits einig gewesen, Spendengelder hatte der Stadtpark-Verein auch schon gesammelt. „Aber dann hat es gebrannt“, sagt Mastbaum. Der 33 Jahre alte Brandstifter wurde kurz nach dem Feuer im benachbarten Stadtpark hinter einem Busch aufgegriffen und Ende Mai vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe von anderthalb Jahren verurteilt. Die Sauna soll wieder aufgebaut werden. Wann und in welcher Form, ist allerdings noch nicht entschieden.

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Hinter dem Kabinentrakt der Indians im Eisstadion am Pferderturm liegt Benjamin Ropers Arbeitsplatz: Eine Werkstatt, ein Büro und ein Raum voll mit Trikots und Schlägern. „Das ist mein Reich“, sagt er. „Beim Material passiert nichts, ohne dass ich mein Okay gegeben habe.“ Während der Saison ist der 35-Jährige jeden Tag vor Ort, repariert Schlittschuhe, wäscht Trikots und bestellt Schläger. Zudem kümmert sich der gelernte Schreiner um die komplette Organisation rund um die Mannschaft, die in der Oberliga Nord spielt: Anreise und Verpflegung bei Auswärtsspielen, Unterbringung neuer Spieler in Wohnungen – und noch viel mehr. „Eishockey ist mein Leben“, sagt der Hannoveraner, der schon als Kind die Spiele live verfolgt hat. Auch wenn die Arbeitstage in den Wintermonaten sehr lang seien, mache der Job Spaß. 

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Auf einmal ist es schlagartig dunkel. Zwei Meter dicke Betonwände sperren die Welt aus. Nur eine alte Glühbirne füllt den schmalen Gang mit gelblichem Licht. „Das ist keine 08/15-Immobilie“, sagt Jonas Kirchberg von der Stadt. Der alte Luftschutzbunker an der Kleefelder Rupsteinstraße diente der Stadt in den vergangenen Jahren als Lagerraum. In den nächsten zwei Jahren soll er nun zum Kauf angeboten werden. Seit 2012 ist die Stadt Hannover nicht mehr verpflichtet, die Betonkolosse zum Schutz der Bevölkerung für den kriegerischen Ernstfall vorzuhalten – damals erlosch für Hannover die Zivilschutzbindung für die Schutzbauten. Seitdem hat die Stadt bereits Bunker verkauft. So soll es nun auch mit dem Bunker nahe der Haltestelle Uhlhornstraße geschehen. „Es wird ein Wertgutachten geben“, sagt Kirchberg. "Dann werden die Bunker üblicherweise im Höchstpreisverfahren verkauft.“ Verkauft werde aber nicht zu jedem Zweck. Ein Verkauf, nur damit jemand einen Bunker sein Eigen nennen kann, werde es nicht geben.

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... aller Wohnungen in Kleefeld stehen leer. In mehr als jedem zweiten Gebäude gibt es mindestens drei Wohnungen. 

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Forscher der orthopädischen Klinik der MHH im Annastift arbeiten an den Prothesen der Zukunft. Seit zwei Jahren testen Dr. Eike Jakubowitz und sein Team Roboterhände, die Oberflächen erkennen und von Patienten intuitiv gesteuert werden können. „Das gibt es so noch nicht", sagt Jakubowitz.
Das kann Ludwig List nur bestätigen. Der 82-jährige Testpatient hat als Achtjähriger im Zweiten Weltkrieg seinen rechten Unterarm verloren. Seitdem hat er fast alle Prothesen auf dem Markt ausprobiert. „Ich habe sogar eine für 20.000 Euro getestet. Die war aber viel zu schwer und musste programmiert werden."
Das sei bei der sogenannten Softhand anders. „Ich kann damit sogar Kunststoffbecher halten. Mit meiner alten Prothese habe ich sie zerdrückt“, erklärt List. Zwei Elektroden messen die Muskelbewegung vom Stumpf, und Signalgeber vibrieren in unterschiedlicher Intensität je nachdem, welches Material angefasst wird. „Dieser Rückmeldungsprozess hilft dem Patienten, die Griffkraft zu steuern", erklärt Jakubowitz. Auch tanzen kann List bei den Tests mit mehr Freude. „Ich habe jetzt wieder ein Gefühl für meine Tanzpartnerin.“ Diese Lebensqualität wünschen sich Jakubowitz und sein Team für alle Patienten. „Unser Ziel ist es, die Softhand zur Marktreife zu führen", sagt er. 5000 Euro kostet der Prototyp.

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Seit 100 Jahren werden an der Bleekstraße in Kirchrode blinde Kinder unterrichtet. Das Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) mit seinen 90.000 Quadratmetern und 18 Gebäuden ist eine kleine Welt für sich.
Die Einrichtung entstand 1845 in Auftrag des blinden Hannoverschen Königs Georg V. Heute arbeiten hier 220 Pädagogen, Psychologen und Betreuer zusammen mit 30 Auszubildenden und 26 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr – und kümmern sich um 100 Kinder. 60 der Schüler leben dort im Internat. „Wir unterrichten von der ersten bis zur zehnten Klasse, da kommen auch ganz kleine Kinder zu uns“, sagt Maria Grodzki, Leiterin der Einrichtung.
Einmal in der Woche erobern Ponys, Meerschweinchen und Hühner das Gelände. „Das ist die tiergestützte Therapie. Die Idee dazu hatte eine blinde Kollegin“, sagt sie.
Das LBZB unterstützt Familien von Göttingen bis Norderney. „Je früher wir mit der Arbeit anfangen, desto größer sind die Fortschritte“, sagt Grodzki. Auch Schulen werden von den Pädagogen des LBZB betreut. „Wir erstellen tastbare Karten und übersetzen ganze Bücher in Braille-Schrift“, sagt Franz-Josef Beck, pädagogischer Leiter der Medienzentrale.

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... umfasst Kirchrode. Flächenmäßig ist der Stadtteil damit auf Rang 11 von 49 in Hannover.

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Es gibt wohl kaum jemanden in Kirchrode, der das Eiscafé Soravia nicht kennt. Nach einem Spaziergang im Tiergarten gönnen sich viele eine Pause an der Traditionsmanufaktur von Pierdenni Olivotti. „Wir haben auch viele Kunden, die aus der Stadt herkommen, nur um ein Eis bei uns zu essen", sagt Olivotti.
Zusammen mit seinem Bruder führt er seit 35 Jahren die Eisdiele – die es im aktuellen HAZ-Ranking auf den dritten Platz geschafft hat. Das Soravia gibt es hier aber viel länger: seit 60 Jahren. „Mein Bruder und ich haben alles vom alten Meister gelernt", sagt der 54-jährige Eismacher. Von Ende Januar bis Ende Oktober steht er jeden Tag ab 6 Uhr vor seinen Eismaschinen und bereitet die mehr als 33 Sorten frisch zu. Fragt man den Meister nach seiner Lieblingssorte, zögert er nicht: „Tartufo“. Das Schokoladen-Nuss-Eis ist ein italienischer Klassiker und erinnert ihn an seine Heimat - ein kleines Dorf nahe Cortina am Fuße der Dolomiten.

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Der Morgentau liegt noch auf dem hohen Grass, als Erich Pfannenschmidt das eiserne Tor zum Dammwildgehege aufzieht. Aus sicherer Ferne beobachten ein Hirsch und sechs Rehe die Eindringlinge. „Der Hirsch hat gerade abgeworfen“, sagt der Vorarbeiter des Tiergarten-Betriebshofs. Das neue Geweih ist aber bereits wieder gut sichtbar nachgewachsen. Gefüttert werden müssen die Tiere in den Sommermonaten nicht, erzählt der 63-Jährige. Dafür ist genug Gras vorhanden – auch wenn Pfannenschmidt die Grünflächen am liebsten kurz mäht. „Bei mir sieht es manchmal aus wie auf einem Golfplatz“, sagt der Mann, der den Tiergarten mit seinen Mitarbeitern in Schuss hält.
Hin und wieder bekomme er ein Lob von Besuchern, sagt Pfannenschmidt. „Das ist dann auch sehr schön.“ Immerhin mache sein Team im Tiergarten so gut wie alles selbst: Bänke bauen, Bäume pflanzen, Wege pflegen und Sturmschäden reparieren – das sind nur ein paar der Aufgaben, die täglich anfallen. Auch wenn es viel Arbeit ist, kann sich Pfannenschmidt wenige Wochen vor seinem Eintritt in die Rente kaum einen schöneren Beruf vorstellen. „Das ist schon ein top Job hier“, sagt er und schaut ins Grüne.

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Eine echte Schatzkammer gibt es in der Nähe der Haltestelle Ostfeldstraße zu entdecken. Das privat geführte Museum für textile Kunst beherbergt versteckt in der Borcherstraße eine einzigartige Sammlung edelster Stoffe, historischer Kostüme und atemberaubende Couture-Träume in einem umgebauten Bunker.
Besucher finden dort einen historischen Teppich aus dem chinesischen Kaiserpalast oder einen Stoff, den einst die Gattin des persischen Schahs Farah Diba ihr Eigen nannte. „Hier sieht man Preziosen, die es so in ganz Europa nicht zu sehen gibt“, sagt Mitarbeiterin Almut Siefkens.
Zusammengetragen hat all die Kostbarkeiten die Modedesignerin Erika Knoop, die unter anderem für die Bühnengarderobe der legendären Scorpions entwarf. „Von internationalen Auktionen und Textilien-Entdeckungsreisen in der ganzen Welt hat sie die seltenen Textilien nach Hannover gebracht“, sagt Siefkens. Einziger Wehrmutstropfen: „Oft wissen nicht einmal die Leute in Kirchrode, dass es hier so etwas Tolles gibt“, sagt Siefkens. Ein geführter Rundgang ist also ein Geheimtipp.

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... der Menschen in Anderten sind älter als 75 Jahre. 

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Die Linie 5 ist seine Lieblingslinie. Wie praktisch, dass Thorsten Sitsch, den alle eigentlich nur „Totti“ nennen, regelmäßig in der Fahrerkabine der Linie 5 sitzen darf. Seit fast zwei Jahren fährt Totti nämlich Stadtbahn. Der Quereinsteiger kennt seine Haus- und Hoflinie in- und auswendig. „Ab dem Nackenberg ticken die Uhren anders“, sagt Totti. Am Kröpcke, in der Stadt, da müsse jeder schnell zur Arbeit oder zu wichtigen Terminen. „Aber ab dem Nackenberg hat kaum noch jemand ein Handy in der Hand – die Leute unterhalten sich hier viel mehr.“
Die „grüne Linie“, wie Totti die Linie 5 nennt, überrascht ihn wieder mit spannenden Geschichten. Eine besondere Begegnung hatte Totti erst vor Kurzem am Bahnhof Leinhausen. „Da hat ein indischer Mann, bevor er bei mir eingestiegen ist, die Bahn und mich gesegnet – damit alles unfallfrei geht“, erzählt Totti und grinst. Angst, dass etwas passiert, habe er zwar sowieso nicht. „Aber schön war’s trotzdem. Das werde ich nicht vergessen“, sagt Totti.

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Eine Fahrt mit der Stadtbahnlinie 5 ist ein Projekt der HAZ-Volontäre Julia Polley, Nils Oehlschläger, Mario Moers, Carina Bahl, Andrea Brack und Tomma Petersen (von links). Von Stöcken bis Anderten sind sie mit der Bahn quer durch Hannover gefahren, haben Personen getroffen, Geschichten erlebt - und sie festgehalten.

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Kapitel 1 Das Projekt

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Linien fakten
Kapitel 2 Stöcken

Manne neu

St%c3%b6cken

Ak 280518 enders 002

St%c3%b6ckener markt
Kapitel 3 Leinhausen/Herrenhausen

Stadtfriedhof st%c3%b6cken

20180525 linie5 022

Bahnhof leinhausen

Herri
Kapitel 4 Nordstadt

H g%c3%a4rten

20180525 linie5grillen 002

Appelstra%c3%9fe

20180516 linie5 048
Kapitel 5 Calenberger Neustadt / Mitte

Leibniz uni

20180524 linie5 003

K%c3%b6nigsworther platz

20180525 linie5 033
Kapitel 6 Südstadt

Aegii

Marienstra%c3%9fe vorher

Marienstra%c3%9fe

20180525 linie5 014
Kapitel 7 Kleefeld

Clausewitz

20180516 linie5 038

Kantplatz

Bunker
Kapitel 8 Kirchrode

Annastift

20180524 linie5lbz 008

Bleekstra%c3%9fe

Saarbr%c3%bcckener stra%c3%9fe neu
Kapitel 9 Anderten

Tiergarten

Textilmuseum

Ostfeldstra%c3%9fe

20180525 linie5 045
Kapitel 10 Die Autoren

20180525 linie5 006
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