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Los geht's

Zoo 24

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Morgens früh die Brodelburg kärchern, vormittags ein Stinktier in Narkose legen, abends die Gläser spülen und nachts kommen Tiere auf die Welt: Der Zoo Hannover ist voller Leben - und das richtet sich nicht nach Öffnungszeiten. Jeder Tag ist anders. Rund 450 Mitarbeiter kümmern sich fast rund um die Uhr um die mehr als 2000 Tiere und sorgen für Sauberkeit und Ordnung. Wie funktioniert dieser Mikrokosmos? Ein Tag hinter den Kulissen.
(Hinweis für Handynutzer: Drehen Sie das Smartphone auf die Seite, um die Geschichten in vollem Format zu sehen.)

Eine Reportage der HAZ-Volontäre Carina Bahl, Mario Moers, Tomma Petersen und Julia Polley. 
Fotos: Philipp von Ditfurth und Clemens Heidrich

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Wenn um 5.02 Uhr die Sonne aufgeht, klingelt bei Bauer Henning Peters der Wecker. Während die meisten der mehr als 2000 Zoobewohner noch weiterschlafen, beginnt für ihn schon ein neuer Tag. Er knöpft seine Latzhose zu, schnürt die schweren Arbeitsstiefel und hängt das Mähwerk vor den Trecker. In der Sehnder Feldmark schneidet Peters zweimal in der Woche das Frühstück für Giraffen, Elefanten, Flusspferde und die anderen Grasfresser. Auch Heu und Stroh für die Gehege stammen von dem Milchbauern. „Für mich ist das ein willkommenes Zusatzeinkommen und außerdem sehe ich so morgens immer, was auf den Feldern los ist“, sagt Peters. Zwei Tonnen Gras hat er heute aufgeladen. Auf dem Hof kocht er sich noch eine Tasse Kaffee, dann zuckelt er in aller Seeleruhe nach Hannover. Peters Motto im Frühverkehr: „Vor mir kein Stau, nur hinter mir.“

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Bis Detlef Meiners mit seiner Arbeit beginnt, ist es im Zoo ganz still. Drei Stunden haben der Chefgärtner und sein elfköpfiges Team jetzt Zeit, um „Klarzoo“ zu machen. Die Kettensägen seines Teams bereiten der paradiesischen Ruhe ein Ende. „Kernzeit“ nennt Meiners den Teil des Tages, an dem hinter den Kulissen des Zoos Hochbetrieb herrscht. „Bevor die Besucher kommen, muss alles wieder frei sein“, sagt der 57-Jährige. Auf dem Gorillaberg ist ein alter Kletterbaum locker. „Mit ihrer Kraft könnten die Tiere Stücke rausreißen und damit werfen“, sagt Meiners. Weil in dem Gehege jeder Stein und sogar die Grasnarbe möglichst unbeweglich sein soll, muss der Baum raus.
In Pionierarbeit verlegen die Gärtner mit Eisenbahnschienen eine Brücke über den tiefen Betongraben. „Anders ist der Zugang mit schwerem Gerät nicht möglich“, erklärt er. Silberrücken Buzandi und seine Gorillafamilie bekommen von der kräftezerenden Arbeit nichts mit. Meiners Regel zur eigenen Sicherheit: „Ich gehe nirgends rein, wo noch Tiere drin sind.“

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„10.000 Schritte habe ich bis zum Frühstück geschafft“, sagt Shamim Khan und lacht. Die 39-Jährige ist seit fast neun Jahren im Team Sauber.Morgens um 6 Uhr beginnt die Frühschicht – im Akkord werden dann Mülleimer geleert, Wege und öffentliche Plätze gereinigt, Fundsachen eingesammelt und das Material in den Sanitäranlagen wird aufgefüllt. „27 bis 30 Kilometer läuft man in einer Schicht bestimmt“, sagt Khan. Der Spaß an diesem Job ist ihr dennoch anzumerken – das Lächeln verschwindet aus ihrem Gesicht nie, selbst wenn sie sich darüber ärgert, dass viele Besucher ihren Müll auf die Wege fallen lassen. An diesem Morgen steht eine besondere Aufgabe an: Ihr Kollege Nikolai Krüger muss mit einem Kärcher – dem Aqua Speed – das Holz des riesigen Spielparadieses Brodelburg von Moos und Sand reinigen. Das braucht mehrere Tage. „Bis 9 Uhr müssen wir immer durch sein, dann kommen die Besucher, und die sollen nicht nass werden“, sagt Khan. Dann verschwinden auch die kleinen Fahrzeuge des Teams Sauber aus dem Zoo-Bild, die bis dahin in Dauerschleife Müllcontainer durch die kleinen Wege ziehen. „Es ist ein Traumjob“, sagt die 39-Jährige. Gerade am Morgen habe es etwas ganz Besonderes, allein mit den Tieren im Zoo zu sein. Vor allem bei den Elefanten macht sie gern halt und schaut. „Das liegt vielleicht an meinen indischen Wurzeln“, überlegt sie laut. Bis 18 Uhr ist das Team im Zoo unterwegs Hier gibt es immer etwas zu tun.“

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„Roaaaarrr...rrrrr!“ Löwenkönig Basu springt mit einem schnellen Satz an die Gitterstäbe, als Tierpfleger Marcel Rehse zur Morgenvisite seinen Stall betritt. Mit bohrendem Blick fixiert ihn die mächtige Wildkatze. Nur die Gitterstäbe trennen ihn und die Löwen. Eine Nähe, die wohl jedem Besucher das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Rehse bleibt cool. „Man stumpft ab“, sagt der 24-Jährige, der als Pfleger für den gesamten Bereich Sambesi-Süd zuständig ist. Im Löwengehege herrscht strenges Kontaktverbot, schon bei den Jungtieren. „Es gibt hier auch bei den Löwen keine Handaufzuchten mehr. Die Tiere sollen möglichst natürlich leben und nicht auf den Menschen fehlgeprägt werden“, sagt Rehse. Ob es ihn als Pfleger bewegt, dass die stolzen Tiere auf 520 Quadratmetern leben? „Ohne Zoos wären die Berberlöwen bereits ausgestorben, die größten und schönsten Löwen die es gibt“, antwortet er selbstbewusst. Bevor er Basu und Löwin Naima in ihr Gehege lässt, versteckt er dort noch Gewürzproben. Maggi, Baldrian und Brathuhn hat er heute ausgesucht. „Sie denken, es seien Eindringlinge in ihrem Gehege gewesen und müssen ihr Revier neu markieren“, sagt er. Nicht nur den Besuchern soll jeden Tag etwas geboten werden.

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Jetzt ist die Ruhe für Gärtner, Techniker und Reinigungskräfte vorbei. Der Zoo öffnet für Besucher und die ersten können es kaum erwarten, reingelassen zu werden. Kurz bevor die Tore aufgehen, dürfen die Tiere in die Außengehege. Die Antilopen trotten gemächlich in die Sandwüste und die Flusspferde machen sich schweren Schrittes auf den Weg ins Wasser. Sind alle Tiere draußen, geht's für die Tierpfleger ans Ausmisten und Reinigen der Ställe. Die Besucher bekommen davon nichts mit. Bis 22 Uhr können sie beim Late-Zoo die Tiere bewundern und Fotos machen. Im vergangenen Jahr kamen insgesamt 1,1 Millionen Menschen in den Zoo.

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Es ist definitiv ein Job zum Angeben: Wenn Maik Brand erzählt, er sei Elektroniker für Betriebstechnik, dann kommt erst mal nämlich niemand auf die Idee, dass er dafür im Taucheranzug in ein Eisbärbecken hüpfen muss. Aber genau das tut der 24-Jährige regelmäßig. Seine Ausbildung absolvierte er im Zoo, heute gehört er zum elfköpfigen Team Technik, dessen Aufgabe es auch ist, die Wände, Abflüsse, Unterwasserschieber und die Boje im Wasser des Eisbärgeheges zu kontrollieren – die drei tierischen Schwergewichte müssen in dieser Zeit allerdings in ihren Ställen warten.
Wenn es nicht ins Wasser geht, ist das Team zuständig für alles Technische im Zoo – von den Filtern und Wasseraufbereitungsanlagen bis hin zum Wechseln der Glühbirnen. „Wir sind quasi die Hausmeister oder besser: Facility-Manager“, scherzt der der 24-jährige Brand. Im Zoo bedeute das auch mal: Die Glühbirne muss schief in die Fassung geschraubt werden. Alles soll zum Konzept und „Style“ der Zoo-Welten passen.
Warum Brand stets mit Handschuhen tauchen muss, weiß er nach einer ungewollt hautnahen Erfahrung ganz genau: „Wusstest du, dass Robben-Kacke aussieht wie ein grauer Stein?“

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Neun Jahre ist die Stinktierdame mit dem vielsagenden Namen Lavendel alt, die ihr Tierpfleger Revin Meyer mittags in die neue Tierklinik bringt. In der Regel werden Stinktiere maximal zehn Jahre alt. Außerdem frisst Lavendel seit einiger Zeit nicht mehr so viel – Zeit also für einen medizinischen Check. Per Atemmaske legt Tierarzt Viktor Molnàr sie in Narkose – Blutentnahme, Röntgenaufnahmen, Temperatur- , Sauerstoff- und Pulskontrolle folgen. Ein Labor wird das Blut untersuchen.
Manchmal braucht es etwas Kreativität: Nasenbären oder Vögeln passen die Standard-Atemmasken nicht – leere Plastikflaschen-Köpfe mit Handschuhen als Mundaufsatz helfen aus. Am Ende der Untersuchung steht fest: Für ihr stolzes Alter geht es der Stinktier-Oma gut. Die Aufwachphase auf der kleinen Wärmflasche dauert nicht lang. Das Narkosemittel wird über die Lunge wieder ausgeatmet, Nieren und Leber werden geschont.
Als Stinktier ist der Weg in die Tierklinik Pflicht – das gilt für alle Kleintiere im Zoo. „Wir hatten schon ein 100 Kilo schweres Schwein hier“, sagt Tierärztin Katja von Dörnberg. Bei größeren Tieren machen sich die Ärzte per Fahrrad auf zum Hausbesuch: Mobile Röntgen- und Untersuchungsgeräte sind vorhanden.
Lavendel darf sich nach dem Arztbesuch noch ausruhen – bei Stinktier-Mitbewohner Thymian.

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Zärtlich krault Irmhild Knöß den Bauch. Liebevoll und ganz ruhig neigt sie ihren Kopf auf den Pelikan – ihren Lieblingspelikan. „Zuerst habe ich beobachtet, dass die Vögel einen wiedererkennen. Dann ist Henrike, das kleinste Tier im Gehege, ihr bei einer Fütterung nachgelaufen. „Das war der Moment, in dem wir Freunde wurden“, sagt die 77-Jährige. Wie viele, vor allem ältere Stammgäste, besucht die Seniorin den Zoo bei gutem Wetter mehrmals in der Woche. „Man kennt sich und irgendjemand weiß immer etwas Neues“, erzählt die Musiklehrerin. Die Pelikane kennt sie alle beim Namen und weiß sogar, wo sie geschlüpft sind. „Henrike stammt aus Köln, aber ihr Partner Oliver Kahn ist hier geboren“, sagt sie.

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„Mäuschen, ein Käsebrot auf die Faust? Bitte. Morgen gibt’s Kohlrouladen, da solltest du wiederkommen.“ Am Mittag brennt bei Zooköchin Sabine Nußbaum nicht nur die Herdflamme. Dann wird es voll in der Mitarbeiterkantine. Die 47-Jährige ist dort die gute Seele. Ihre Kunden kennt Nußbaum fast alle beim Namen. Die deftigen Gerichte sind der Treibstoff für die rund 450 Mitarbeiter, die sich nach der Arbeit am Morgen auf die Pause freuen. „Ich hab den Job hier bekommen, weil ich die Schnauze am richtigen Fleck hab“, sagt Nußbaum und lächelt. Bevor die Kantine gebaut wurde, gab es für die Mitarbeiter das Essen nur auf Bestellung aus der Aluschale. Zwischen Nußbaums Salatbuffet und dem Tresen ist immer auch Zeit für einen kleinen Schnack. „Die Tierpfleger erzählen, wenn eine Geburt ansteht und auch sonst bekommt man hier viel mit“, sagt sie. Der Renner beim Essen ist übrigens die Zoo-Currywurst. Die gibt es täglich.

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Man nehme geschredderte Kocheier, Mett, Karotten und eine Prise Vitamine. Dazu etwas Mineralpulver mit Speisequark und fertig ist das Spezialvogelfutter. Futtermeister Thomas Severit weiß, was den Zoobewohnern mundet. „Die Rezepte sind oft alte Überlieferungen und werden von Zoo zu Zoo weitergegeben“, sagt der Leiter des Futtermagazins. Ein internationales Kochbuch gibt es nicht. Allerdings sind die Zutaten für die Tierküche weit weniger exotisch als man denken könnte. Obst und Gemüse kauft er montags und donnerstags früh im Bornumer Großmarkt. 1120 Euro hat seine Einkaufstour heute gekostet. „Wir haben nur wenige Nahrungsspezialisten“, sagt der Futtermeister. So liegt säckeweise Moosflechte für Rentiere in seinem Lager. „Original aus Schweden“, betont Severit. Für die Menschenaffen hat er einige Kisten Malzbier eingelagert. In seiner Großküche „backt“ er an Geburtstagen sogar Torten für die Zoobewohner – für die es schmeckt, denen auch mit Fleischeinlage.

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„Die Metallzäune passen nicht zum Stil des indischen Dschungelpalastes, aber sie sind zum Schutz der Elefanten da“, sagt Zoodirektor Andreas Casdorff und zeigt auf die hohen Zäune vor dem Gehege der Tiere. Normalerweise trennt ein Graben die Besucher von den Elefanten, weil aber gerade eine neue Trainingsmethode eingeführt wird, muss auch das Areal der Elefanten umgebaut werden.
Eine größere Außenanlage, die Möglichkeit, nachts draußen zu bleiben, neue Ställe – diese Zukunftspläne hat der Zoo bereits 2014 beschlossen, jetzt soll der Umbau beginnen. Vom direkten Kontakt stellt der Zoo die Elefantenhaltung auf den sogenannten geschützten Kontakt um. Beim direkten Kontakt werden die Tiere für die medizinischen Untersuchungen trainiert, damit der Tierarzt sie überall untersuchen kann, ohne dass sie in Narkose gelegt oder angekettet werden müssen. Während der Untersuchung stehen die Tierpfleger als Vertrauensperson neben dem Tier. Beim geschützten Kontakt werden die Tiere trainiert, an das Trenn-Gitter zu kommen und zum Beispiel die Füße zur Fußpflege durch eine Öffnung zu stecken. 
Noch ein Vorteil: Seit die Trainingsmethode umgestellt wurde, wollen auch Frauen mit den großen Tieren arbeiten. Doch wie baut man um die Herde eigentlich eine neue Anlage? „Ins Hotel können unsere Elefanten offensichtlich nicht“, sagt der Zoodirektor. Das ehemalige Gehege von Bulle Nikolai, der im Juni in einen anderen Zoo gebracht wurde, wird als Übergang vorbereitet. „Ein Teil der Herde muss dann noch in anderen Zoos untergebracht werden“, sagt Casdorff. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Anlage in drei Jahren fertig sein.

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Es riecht nach Zuckerwatte und Früchten. Der Arbeitsplatz von Mac von Ahlen ist eindeutig der bestduftendste im gesamten Zoo. Zwischen 300 und 500 Kilogramm Speiseeis, 18 Sorten, produziert der Eismann täglich. Die hauseigene Eismanufaktur ist ein Premiumangebot, das den Besuchern den Aufenthalt versüßen soll. „Industrieeis schmeckt einfach nicht“, sagt von Ahlen. Zwischen unzähligen Plastikeimern voller Zutaten kreiert er am liebsten neue Sorten. „Im Sommer besuche ich viele Eisdielen und lasse mich inspirieren“, sagt er. Sein Avocado-Mandel-Honig-Eis ist noch in der Testphase. Zitrone-Cheesecake hat er bereits zur Serienreife entwickelt. Nur ein Lakritzeis erwies sich als Fehlschlag. Die Preise der Zoo-Gelateria bewegen sich auf Innenstadtniveau: 1,50 pro Kugel, der Schokobecher kostet 6.80 Euro.

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Es scheint ein Widerspruch zu sein: Ein Zoogelände, das den Tieren ein Leben in natürlicher Umgebung bieten soll – und eine Showarena, in der auf einer bunt gestrichenen Bühne Tiere Kunststücke zeigen. Tierpfleger Henrik Voges sieht das anders: „Die Tiere brauchen das Training und die Beschäftigung, sie fordern das ein“, sagt der 22-Jährige. Andererseits wolle der Zoo damit etwas für den Arten- und Umweltschutz tun. „Das funktioniert nur über Emotionen.“ Es sei etwas anderes, wenn der Mensch ein Schild über die Abholzung des Regenwaldes lese, oder wenn er Nasenbärin Suelita sehe und erfahre, dass ihr Lebensraum zerstört werde. Bevor die Besucher kommen, bereitet Voges alles vor: Leckereien für den Nasenbären und die Vögel werden bereitgelegt. Trainiert wird mit einem Klicker – auf das Geräusch folgt die Belohnung.
Ob ein Tier auf die Bühne gehe, hänge vom Charakter ab. „Manch einer braucht eine Woche Training, ein anderer ein ganzes Jahr.“
Auf der Bühne funktioniert das Team: Jeder Flug des 21 Jahre alten Falken über die Köpfe des Publikums hinweg wird garniert mit Informationen über seinen Lebensraum. Nasenbärin Suelita liebt Hühnchenfleisch – dafür klettert sie problemlos eine meterhohe Bambusstange hinauf. Klappt das immer? „Es gibt Tage, da haben die Tiere keine Lust“, weiß Voges. Dann sei das eben so.

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Jaqueline, Chantal und Jeremy Pascal Hope heißen die Pinguine, die noch gegen Abend im Yukon-Bay-Gelände umherwatscheln. Diese besonderen Namen tragen die Pinguine aus Aberglauben – seit man die Tiere so nennt, läuft's mit dem Nachwuchs.
Pam heißt hingegen die Seelöwin, die mit ihrem Tierpfleger Stefan Germann gerade ein medizinisches Training absolviert. Kurzum: Pam lernt, sich auf Kommando auf den Rücken zu drehen, die Flosse anzuheben, den Mund zu öffnen oder auch einfach nur: still liegen zu bleiben. „Robben sind immer aktiv. Das ist für sie fast die schwierigste Aufgabe“, sagt Germann. Ein Pfiff – ein Fisch – Pam ist hoch konzentriert und befolgt jeden Befehl des Tierpflegers fehlerfrei. „Das ist für die Untersuchung beim Tierarzt sehr wichtig“, weiß dieser. Ultraschall, Blutentnahme, Röntgen – dafür braucht es bei Pam keine Narkose mehr. Seit elf Jahren ist sie im Training – und eine echten „Rampenrobbe“. „Wenn wir mit anderen Robben trainieren, muss Pam im Stall bleiben. Sie drängt sich immer in den Vordergrund.“
Neben Robben und Pinguinen ist Germann auch für die drei Eisbären im Zoo verantwortlich – als einer der wenigen darf er den Kran besteigen und die Eisbären unter sich füttern.

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Für viele Familien ist die Sambesi-Bootstour ein Muss beim Zoobesuch. Wie von Zauberhand gleiten die 18 Boote durch den Fluss – entlang an Flamingos, Nashörnern und Antilopen. Die Zauberhand, wenn man denn so will, gehört Udo Wendorff und seinen Kollegen: eine Fernbedienung, die die Boote entlang von Stahlseilen durchs Wasser steuert. Beim Einstieg hat der 29-jährige Wendorff ein wachsames Auge auf die Besucher: nicht schaukeln, sitzen bleiben – und nicht die Hände ins Wasser. „Wenn die Boote geschaukelt werden, kommt es zur Havarie, und alles ist stillgelegt. Dann müssten wir evakuieren“, sagt Wendorff. „Beware of Crocodiles“ ist auf einem Schild zu lesen. Zugegeben: Ein Scherz – der aber Wirkung zeigt. „Erst einmal ist jemand ins Wasser gefallen, aber das ist lange her“, sagt Wendorff. Zehn Jahre ist es wiederum her, dass der Zahntechniker eine Stellenanzeige des Zoos gesehen hat. Heute kann er sich nichts Besseres mehr vorstellen, als am Sambesi die Boote aufs Wasser zu schicken. Im Blick haben er und seine Kollegen die Boote auch mit der Fotokamera fürs Erinnerungsbild. „Da erlebt man einiges“, sagt Wendorff und lacht. Auf manch einem Foto habe man schon nackte Hinterteile gesehen. Aber nicht jeder Effekt hat sein Ziel erreicht: Zu Beginn hatte der Zoo das Wasser des Flusses noch getrübt – damit er schlammig wie der echte Sambesi wirkt. Nach Nachfragen von Besuchern, ob man das Wasser nicht anständig reinige, wurde das Konzept geändert – jetzt schippern die Boote in klarem Wasser.

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Zufrieden schmatzt Nashornbulle Kito und kaut auf dem Apfel herum, den Studentin Annie Eickhoft (25) ihm durch die dicken Gitterstäbe ins Maul gesteckt hat. „Nashörner haben nur weit hinten im Kiefer Zähne, man muss das Futter also richtig reinschieben”, erklärt Tierpfleger Markus Köchling (28). Mit seiner Oberlippe, die sich ähnlich anfühlt wie ein Finger, kann das Spitzmaulnashorn Äste und Gräser abreißen. „In der Oberlippe haben sie richtig viel Kraft”, sagt der Pfleger. Beim sogenannten Nashorn-Rendezvous nimmt er zwei Besucher mit in die „heiligen Hallen“ von Nashorn Kito. Im Stall – und mit sicheren Stäben zwischen Tier und Mensch – dürfen die Besucher Kito dann füttern und manchmal sogar streicheln. „Das geht aber nur, wenn Kito auch Lust dazu hat”, sagt Köchling. Von Studentin Eickhoft und ihrer Kommilitonin Sonja Höfter lässt Kito sich allerdings bereitwillig das Kinn kraulen. „Ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr raus”, sagt Eickhoft, die von dem entspannten Kito begeistert ist. Sie ist damit nicht die einzige, wie Tierpfleger Köchling verrät. Ein männlicher Pfau ist bis über beide Ohren in Kito verschossen, geht mutig in das Gehege des Nashornbullen und schlägt vor ihm Räder. Selbst die Nächte verbringt der Vogel in der Nähe „seines” Nashorns. Kito, die Entspanntheit in Person, sei davon aber bisher unbeeindruckt.

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„Für Tiere interessieren, mit Menschen umgehen können – und 'ne große Klappe haben“: So fasst Marco Dinter die Voraussetzungen zusammen, um ein Zoo-Scout zu werden. Spontanität ist Trumpf. „Wenn ein Gehege auf einmal leer ist, muss man schon kreativ werden“, scherzt der 26-jährige Biologe. 40 Scouts gibt es aktuell im Zoo. Vor allem bei Studenten ist der Job beliebt: „Wir haben aber auch Juristen und Konditoren im Team.“ Die Zoopädagogen, die Schulklassen durch das Gelände führen, müssen Biologen oder Fachpädagogen sein. Ausgebildet werden die sie von Kathrin Röper. Die 33-Jährige ist Referentin für Artenschutz und Zoopädagogik. Sie stellt sicher, dass die Artenschutzprogramme für Bienen, Eisbären oder Löwen die der Zoo finanziell unterstützt, seriös sind. „Kontakte sind wichtig, zum Beispiel nach Sri Lanka. Hier hat Artenschutz sehr viel mit Bildung der Menschen zu tun – deswegen wird dort Aufklärungsarbeit über Elefanten betrieben“, sagt Röper. Aber auch Zucht sei ein Teil vom Artenschutz. „Es gibt Tiere, die in freier Wildbahn ausgestorben sind“, sagt Röper. Sie leben nur noch in Zoos – eine Art Reservepopulation. Bei einigen Arten hoffe man, die Tiere wieder auswildern zu können, um eine neue Population in Freiheit zu schaffen.

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Die Sonne ist schon hinter den Bäumen verschwunden. Die letzten Besucher machen sich auf den Weg nach Hause. Die Mitarbeiter schließen das große Tor am Haupteingang ab. Ein langer Zoo-Tag geht zu Ende. Die Tierpfleger Heinrich Grütter und Markus Köchling drehen in ihrem Revier die letzte Runde des Tages und bringen alle Tiere „ins Bett“. Sobald die Erdmännchen sie sehen, ahnen sie, dass es Futter gibt. Flink hintereinander rennen die 16 Tiere in ihren Stall. Die vier Flusspferde schwimmen eine letzte Runde in ihrem Becken, bevor sie in ihr Nachtquartier galoppieren. Nachdem die Türen verriegelt sind, machen die Pfleger Feierabend.

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111 Abendveranstaltungen, 93 Weihnachtsfeiern, 63 Tagungen, 60 Geburtstage und 40 Hochzeiten – in einem Jahr kommt im Zoo einiges zusammen. Veranstaltungskaufmann Björn Metzner schmeißt für Gäste fast jede Party. „Wenn der Zoo schließt und die Tiere in ihren Ställen sind, geht's bei uns erst richtig los“, sagt der 27-Jährige. In zehn Locations, wie dem Prunksaal des Maharadschas oder Meyers Festscheune, können 30 bis 400 Gäste feiern. „Wir haben schon echt verrückte Sachen gemacht – einmal musste ich spontan eine Art Dschungelcamp moderieren – natürlich ohne Tiere“, sagt Metzner. Das achtköpfige Event-Team plant die Feiern, „und wir versuchen immer, alles möglich zu machen“, sagt Metzner. Damit kein Partygast Reißaus nehmen kann, werden die Tore zwischen der Location und dem Zoo geschlossen – so können die Tiere ihre Nacht in Ruhe verbringen.

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Holunder-Smoothies, Rinderspieße und etwas mit Pfifferlingen – wenn sich die Küchen-Azubis in Meyers Hof zusammensetzen, wird viel ausprobiert. Saisonal, regional und jung sollen die Karten sein, die die Auszubildenden regelmäßig entwerfen, planen und nach denen sie für die Gäste kochen. Und in Meyers Hof wird es natürlich oft spät – wie es sich für eine Gastronomie nun mal gehört. Nach den Abendveranstaltungen sind die Köche, Barkeeper und Kellner die Letzten, die im Zoo noch auf Hochtouren laufen. „Am Ende müssen die Gläser gespült und für den nächsten Tag vorbereitet werden“, sagt Omar Fidan. Der 20-Jährige kellnert im Gasthaus Meyer und macht nachts die letzten Handgriffe.

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Über 2000 Tiere leben im Zoo Hannover – Ameisenkolonie und Rattenfamilie ausgenommen. Für jedes Individuum gibt es eine digitale Karteikarte und für einige Tiere sogar Krankenakten. Die wissenschaftliche und organisatorische Verantwortung für den Tierbestand tragen Zoologen wie Fabian Krause. Von seinem Büro im Verwaltungsgebäude aus hat der studierte Biologe nicht nur den Überblick über sämtliche Zoobewohner in Hannover. „Weil alle Tiere in einer globalen Datenbank geführt werden, kann ich auch sehen, wann im Zoo in Tokio ein Elefant geboren wird“, sagt der 33-Jährige. Heute beschäftigt ihn der Einzug eines neuen Eulenpaares. „Wir haben ein Tier aus einem polnischen Zoo und eines aus der Schweiz bekommen“, sagt er. Gekauft werden die Tiere übrigens nur noch in den seltensten Fällen. Zoos tauschen entweder oder schließen Leihverträge.

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Ballenweise Stroh und „ein paar Äste“, die aber eher wie ein halber Wald anmuten: So sieht das Abendbrot der Elefanten im Zoo aus. Tierpflegerin Marie kommt ganz schön ins Schwitzen, als sie den Stall für die Nacht vorbereitet. „Wenn die Elefanten gleich reinkommen, schlagen sie sich erst mal so richtig den Bauch voll“, sagt Tierpfleger Ronny. Geschlafen wird stets im Familienverbund – die Mama, die zwei Babys und eine weitere Elefantenkuh aus der Herde, die ein wenig mithilft. „Nur Indra hat ihren eigenen Stall“, sagt Ronny. Die 40 Jahre alte Anführerin der Elefantenherde möchte mit der Aufzucht der Jungen nichts zu tun haben – sie dreht sich lieber gemütlich auf die Seite, mit dem Rücken zum Rest der Herde.
„Elefanten schlafen immer mit Körperkontakt zu den anderen“, sagt Ronny. Ob Rüssel oder Schwanz – irgendwas muss die anderen Mitglieder der Herde berühren. Das beruhigt. Kuscheln tut gut. Damit es nicht zu ruhig im Stall wird, läuft die ganze Nacht das Radio. „Aber es muss dunkel sein“, sagt Ronny. Zwischen 2 und 5 Uhr nachts liegen die Elefanten in der Regel im Tiefschlaf - viel länger ist das nicht möglich: Die Dickhäuter können nur eine begrenzte Zeit auf der Seite liegen – wegen ihrer Körpermasse. Das Elefantengehege ist eines der wenigen im Zoo, in denen nachts auch hin und wieder einmal Tierpfleger schlafen: Vor allem, wenn eine Geburt ins Haus steht.

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Ob die drei Wasserbecken am Yukon Bay oder der Schwimmbereich der Flusspferde: Um das Wasser frisch und sauber zu halten, braucht es viel Technik, die der Besucher selten zu sehen bekommt. Es surrt und rauscht wenige Meter unter den schwimmenden Flusspferden rund um die Uhr: Zig Meter Rohre bahnen sich an der Decke des Technikkellers ihre Wege. Um die Übersichtskarte zu verstehen, braucht es schon viel Fachwissen. Die komplexe Filteranlage reinigt das Wasser in mehreren Schritten von grobem Mist. Wer genau hinschaut, entdeckt ein charmantes Detail: „Einspeisung Maschseewasser“ steht auf dem Schild an einem dicken Rohr. Tatsächlich kommt jeder Tropfen Wasser, der im Zoo nicht zum Trinken gedacht ist, aus dem Maschsee – eine jahrzehntealte Pipeline macht es möglich. Täglich nimmt das Team Technik Wasserproben. Nun schwimmt der Eisbär aber im Salzwasser. Wie wird der Maschsee also zum Zoo-Meer? „Wir haben tonnenweise Salz gelagert“, verrät Techniker Daniel Nacke (31). Für das Eisbärbecken brauche es 14 Tonnen, um den gewünschten Salzwert von 2,5 Prozent im vier Meter tiefen Becken zu erreichen – reinschütten, umrühren, fertig. Die Flusspferde schwimmen hingegen im unaufbereiteten Maschseewasser. Ein echter Hingucker ist die erste Filterstufe hinter dem Gelände: Dort produziert eine Maschine aus dem herausgefilterten Mist lange Strohwürste, die zur Entsorgung in einer Tonne landen.

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Die meisten Tiere im Zoo bringen ihren Nachwuchs nachts zur Welt – und ohne die Unterstützung der Tierpfleger. Nur wenn sich Elefantennachwuchs ankündigt schieben die Pfleger Wache. In diesem Jahr sind bereits 225 Tiere zur Welt gekommen, darunter viele Insekten und Vögel und allein 24 Präriehunde. Im vergangenen Jahr gab es 295 Jungtiere. 

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24 Stunden im Zoo ist ein Projekt der HAZ-Volontäre Carina Bahl, Mario Moers, Tomma Petersen und Julia Polley. Von 6 Uhr morgens haben sie zusammen mit den Fotografen Philipp von Ditfurth und Clemens Heidrich die Abläufe im Hannover-Zoo begleitet, erlebt und festgehalten.

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Übersicht

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Kapitel 1 Der Morgen im Zoo

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Kapitel 2 Der Vormittag im Zoo

Guten morgen zoo

Eisb%c3%a4rbecken

Stinktier
Kapitel 3 Der Mittag im Zoo

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Futtermeister zoo
Kapitel 4 Der Nachmittag im Zoo

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Eismanufaktur zeoo

Show zoo

Robben
Kapitel 5 Der Abend im Zoo

Sambesi

Nashorn

Artenschutz scout

Gute nacht
Kapitel 6 Die Nacht im Zoo

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Flusspferd

Tierbabys neu
Kapitel 7 Die Autoren

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